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Die vielen Biographien der Käthe Schirmacher - eine virtuelle Konferenz

Vorkämpferin des Frauenstudiums, Frauenrechtsaktivistin und Abolitionistin, Sprachlehrerin, Romanistin, Schriftstellerin und Tagesschriftstellerin, Vortragsreisende, Wissenschaftlerin, völkisch-deutschnationale Aktivistin und Politikerin… Käthe Schirmacher hat sich nicht nur selbst mehrfach neu entworfen, sie wurde auch zum Gegenstand einer Reihe biographischer Thematisierungen aus zum Teil sehr unterschiedlichen Perspektiven. Anliegen dieser Online-Publikation ist es, die daraus in den letzten Jahrzehnten entstandenen unterschiedlichen Biographien und biographischen Skizzen zu Käthe Schirmacher an einem virtuellen Ort zu versammeln und zu kontextualisieren. Wir wollen so möglichst umfassende wissenschaftliche Information zu einer paradigmatischen Akteurin im Laboratorium der Moderne zur Verfügung stellen und damit zugleich die Vielstimmigkeit biographischen Denkens sichtbar machen.


Niemand hat nur eine Biographie

Ein offenes kommunikatives Projekt

Eine virtuelle Konferenz

Statements und Texte

To be continued

Niemand hat nur eine Biographie

Käthe Schirmachers so widersprüchlich erscheinende Lebensentwürfe sind bereits seit geraumer Zeit Thema der Auseinandersetzung mit ihrem vielfältigen publizistischen Werk und ihrem umfangreichen Nachlass. Doch was in ihrem Fall als besonders auffällig erscheint, ist keine individuelle Besonderheit. Vielmehr sollte eine mehrfache biographische Verortung als konstitutiv für Selbstentwürfe im Kontext der seit dem 19. Jahrhundert sich zunehmend dynamisierenden Prozesse der Modernisierung verstanden werden. Die Notwendigkeit für die Einzelnen, sich immer wieder neu zu erfinden und die so entstehenden fragmentierten Identitäten als konsistente Entwürfe im Kontext einer Lebensgeschichte zu legitimieren, erzeugt eine spezifische auto/biographische Praxis, die, wie wir glauben, der eigentliche Gegenstand biographischer Forschung sein sollte. Das Ausmaß und die Intensität dieser permanenten Umschreibung der eigenen Geschichte können je nach den spezifischen ökonomischen und sozialen Kontexten und Situierungen der Einzelnen variieren, doch niemand hat – so eine Ausgangshypothese unseres biographischen Zugriffs – nur eine Biographie.

Ein offenes kommunikatives Projekt

Im Rahmen unserer eigenen Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften der 1865 in Danzig geborenen und 1930 in Meran verstorbenen Käthe Schirmacher begreifen wir Biographie als ein offenes kommunikatives Projekt. Biographische Thematisierung bedeutet aus dieser Sicht die Eröffnung von möglichst unterschiedlichen Perspektiven auf eine historische Akteurin, und die In-Gang-Setzung eines Widersprüche konsequent einbeziehenden Kommunikations- und Reflexionsprozesses. Unseren methodischen Ansatz wollen wir nun auch auf unseren Umgang mit bereits vorliegenden wissenschaftlichen Arbeiten der letzten Jahrzehnte ausdehnen. Ziel ist es dabei nicht, eine spezifische Sichtweise zu privilegieren, sondern es geht uns vielmehr darum, Differenzen und Gegensätze zwischen den einzelnen Perspektiven zum Sprechen zu bringen und daraus neue Fragestellungen zu gewinnen. Als einen großen Vorteil begreifen wir dabei, dass wir mit den Autor_innen ins Gespräch treten und sie selbst um Statements zu den Hintergründen ihrer Zugänge ebenso wie um Kommentare zu unserem Projekt bitten können.

Eine virtuelle Konferenz

Die Ergebnisse der Nachfragen, die wir in den letzten Monaten gepflogen haben, sollen nun in Form einer virtuellen Konferenz veröffentlicht und zur Diskussion gestellt werden. Wir wollen damit einen wissenschaftlichen Reflexionsraum sichtbar machen, der eine Vielzahl von Fragestellungen zu einem individuellen Umgang mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen in Europa an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eröffnet. Die metaphorische Anlehnung an die wissenschaftliche Kommunikationsform der Konferenz soll dabei den Moment der gleichzeitigen Vergegenwärtigung unterschiedlicher Perspektiven andeuten, die wir in einem virtuellen Raum anstreben. Sie drückt aber vor allen Dingen eine Hoffnung aus: dass das Projekt Diskussionsprozesse und wissenschaftliche Vernetzungen in Gang setzen möge. Das Konzept einer virtuellen Konferenz steht damit vorerst für einen experimentellen Zugang und die Hoffnung, damit neue Kommunikationsformen biographischer Forschung entwickeln zu können.

Statements und Texte

Wir haben eine Reihe von Wissenschaftler_innen, die sich seit den späten 1970er Jahren in der einen oder anderen Weise mit Käthe Schirmacher beschäftigt haben, gebeten, uns Auskunft zu ihrer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dieser historischen Akteurin zu geben. Wir interessierten uns für die (thematischen, politischen, theoretischen) Kontexte, in denen sie ihre Fragestellungen entwickelt haben, dafür, wie sie an das Material herangegangen sind, und ob sich daraus möglicherweise neue Fragen oder auch Irritationen entwickelt haben, aber auch dafür, wie sie – wenn ihre Forschungen weiter zurückliegen – heute ihr Forschungsinteresse an Käthe Schirmacher kontextualisieren würden. Die konkrete Gestaltung der erbetenen Statements haben wir den Einzelnen dabei – abgesehen von einer Umfangsbeschränkung – weitgehend freigestellt. Dort wo es uns machbar und sinnvoll erschien, haben wir außerdem um die Erlaubnis gebeten, jene bereits publizierten Texte, die Anlass unserer Anfrage waren, ganz oder ausschnittweise online wiederveröffentlichen zu dürfen. Die thematische Diversität, die Verortung in unterschiedlichen disziplinären und politischen Kontexten sowie die lange Zeitspanne, während der diese Texte erschienen sind, erscheinen uns dabei ebenso sehr als Herausforderung wie als Gewinn.

To be continued

Manche Antworten haben wir schnell erhalten, auf einige warten wir noch und hoffen, sie bald unserer virtuellen Konferenz hinzufügen zu können. Andere Kolleg_innen, die sich mit Käthe Schirmacher auseinandergesetzt haben oder dies noch tun, hoffen wir noch gewinnen zu können. Daher freuen wir uns auch über Kommentare, Hinweise und Diskussionsbeiträge, die unser Projekt einer virtuellen Konferenz fortsetzen könnten, unter schirmacher.zeitgeschichte@univie.ac.at. Uns selbst haben die Texte, die wir erhalten haben, bereits jetzt zu einer Reihe neuer Fragen angeregt, die wir hoffen, bald auch öffentlich zur Diskussion stellen zu können. Schon jetzt wollen wir uns bei allen herzlich bedanken, die uns Texte zur Verfügung gestellt und Statements geschickt haben.

Johanna Gehmacher, Elisa Heinrich und Corinna Oesch

Hinweis: Hinsichtlich der bereits publizierten Texte haben wir uns gemeinsam mit den Autor_innen bemüht, die Verwendungsrechte zu klären. Sollte dies in irgendeinem Fall nicht hinreichend gelungen sein, bitten wir um Kontaktaufnahme.


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