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Frauenkongress in Berlin, 1904; Käthe Schirmacher zweite von rechts mit Hut (Foto: UB Rostock, NL Schirmacher)

Kommunikationsordnungen und Konflikte in inter/nationalen Frauenbewegungen


„[...] Mir tut es innig leid, wenn nun plötzlich die Politik, die doch bisher so gar keine Rolle in unseren gegenseitigen Beziehungen spielte, zwischen uns träte - von meiner Seite brauchte dies nicht notwendig der Fall zu sein - doch Klarheit soll zwischen uns herrschen! Herzlichst Ihre Ihnen trotz alledem treu ergebene Dannheisserin.“


(Paula Dannheisser an Käthe Schirmacher, Landau (Pfalz), 4. 1. 1918)


Käthe Schirmacher nahm einerseits im Rahmen internationaler, bürgerlicher Frauenbewegungen und andererseits  im Feld völkischer (Frauen-)Politik eine führende Rolle ein. Ausgehend von dieser Besonderheit richtet sich mein Interesse auf jene Konflikte, die – so meine Hypothese – ein derartiges doppeltes Engagement hervorgerufen hat. Mein Fokus ist dabei auf Käthe Schirmachers persönlich-briefliche Beziehungen mit Aktivistinnen von Frauenbewegungen gerichtet, die ihren Niederschlag in einer großen Anzahl an Dokumenten ihres umfangreichen Nachlasses gefunden haben. In der ersten Phase meiner Untersuchung widme ich mich Briefen, deren Absenderinnen in loser Form oder auch enger Weise mit lokalen Frauenbewegungsinitiativen verbunden waren bzw. am Frauenbewegungs-Diskurs ihrer Zeit teilnahmen. Eine große Anzahl von Frauen dieser Korrespondentinnen-Gruppe hatte sich,  angeregt durch die Lektüre von Werken Käthe Schirmachers, an sie gewandt oder sie auf ihren Reisen als Vortragende persönlich kennengelernt. Briefe von diesen zum Teil unbekannten Frauenbewegungs-Aktivistinnen liegen in Käthe Schirmachers Nachlass häufig unter einzelnen Signaturen gebündelt vor, sodass es in einem ersten Arbeitsschritt auch darum geht, „Bündel“ aufzulösen und die einzelnen Dokumente darin in der Projekt-Datenbank zu verzeichnen. In einer zweiten Phase werde ich auf die brieflichen Zeugnisse von Konflikten fokussieren, die Käthe Schirmacher mit Protagonistinnen der nationalen und internationalen Frauenbewegungsverbände austrug. Meine Frage nach Konflikten bzw. dem Fehlen von Konflikten zielt dabei auf ein besseres Verständnis von Frauenbewegungen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, die sowohl mit Internationalismen, als auch mit Nationalismen eng verknüpft waren. Nachgespürt werden soll nicht nur Auseinandersetzungen in persönlich-brieflichen Beziehungen einzelner Aktivistinnen, sondern auch den „leisen“ Veränderungen in Frauenbewegungen und bestimmten Konjunkturen von Themen wie Antisemitismus, Krieg oder einem Führer/innen-Kult.

Mit Bezugnahme auf eine Kulturgeschichte des Politischen, der es auch um "eine Rückgewinnung politischer Handlungsräume und –optionen [gehe], die sich jenseits des Staates und seiner gleichermaßen um Exklusion und Exklusivität bemühten Definitionsmacht ansiedeln“ (Ute Frevert, 2005), wende ich den Begriff des kommunikativen Handelns auf das Medium der brieflichen Korrespondenz an. Untersucht werden sollen dabei Kommunikations-Strategien und Kommunikationsweisen, die das Verhältnis der am Austausch Beteiligten und ihre Kommunikations-Ordnung bestimmten und prägten. Diese Vorgehensweise soll Aufschlüsse über Beziehungs- und Unterstützungsnetzwerke Käthe Schirmachers, aber auch das Aushandeln von Macht und Diskurshoheit in Frauenbewegungen geben und zu einer Neubewertung von Käthe Schirmachers Status in der inter/national organisierten Frauenbewegung ihrer Zeit führen. (CO)

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