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Professionelle Akteurin in politischen Öffentlichkeiten

Käthe Schirmacher 1889 zur Zeit der Weltaussstellung in Paris (Foto: UB Rostock, NL Schirmacher)

„Gestern hielt ich drei Vorträge und zwei Aussprachen in Erfurt:
Lehrgang für Parteiredner Großthüringens...“

(Käthe Schirmacher an Klara Schleker, undatiert, zitiert in
Hanna Krüger, Die unbequeme Frau, Berlin 1936, 163)


Käthe Schirmacher gehörte für Jahrzehnte zur organisatorischen Führungsriege internationaler Frauenbewegungsaktivitäten und war von 1895 bis kurz vor dem ersten Weltkrieg auf fast jedem größeren, internationalen Kongress der Frauenbewegung anwesend. Sie trug dort als Rednerin, Organisatorin und mehrsprachige Dolmetscherin maßgeblich zur Kommunikation bei. Von Paris aus, wo sie ab 1895 lebte, ging sie auf ausgedehnte Vortragsreisen, war als Korrespondentin deutscher und österreichischer Tageszeitungen tätig und publizierte politische Schriften, Zeitungsartikel und Romane. Die neuen Individualitäten in der Wissenschaft, Kunst und Politik, die Käthe Schirmacher und andere entwarfen, fanden nicht nur geringe Akzeptanz in der zeitgenössischen Gesellschaft, nicht selten waren sie auch durch spezifische Spannungen hinsichtlich des Konzepts von Professionalität charakterisiert, die in dem Begriffspaar Engagement und Profession zum Ausdruck kommen. Während in Wissenschaft und Kunst die "Berufung" fast immer der ökonomischen Relevanz des Berufs gegenübersteht, sind PolitikerInnen mit den Widersprüchen zwischen politischen Zielen und professioneller Karriere konfrontiert. Auch für Käthe Schirmacher, die ihr ökonomisches Überleben im Kontext jener Bewegungen sicherte, für die sie sich einsetzte, lässt sich zeigen, dass Professionalität und Engagement eng und konflikthaft miteinander verbunden waren. Der Bedeutung und Funktionsweise dieser beiden für Frauenbewegungen der Jahrhundertwende relevanten Praxisformen am Beispiel von Käthe Schirmachers Biographie nachzugehen, ist eine Zielsetzung unseres Projekts.

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